Hilfe, mein Mann ist nun Rentner

Hans hatte den Frühstückstisch bereits gedeckt, als Gitte aus dem Bad kam.
Sie sah nicht ganz glücklich aus.
Jetzt hab dich nicht so, schalt sie sich selbst. Er hat es gut gemeint. Welche Frau wird schon mit einem so liebevoll gedeckten Frühstückstich empfangen.
„Ich hab dir ein Ei gekocht. So wie du es am liebsten magst.“ Hans strahlte sie an.
„ Voila“, sagte er und zauberte zwei gekochte Eier hervor, die er hinter seinem Rücken verborgen gehalten hatte.

Das Frühstück ist fertig

„Guten Morgen, Hans.“ Gitte versuchte ein Lächeln.
Sie hatte eigentlich so viel vorgehabt. Sie wollte die Wäsche machen, einkaufen und eigentlich hatte sie sich überlegt, das Wohnzimmer später vielleicht noch umzuräumen. Sie wünschte sich einen anderen Platz für die Sofa-Ecke. Vielleicht etwas näher am Fenster.
Aber nun gab es erstmal Frühstück.
Auch gut, dachte Gitte. Es muss ja auch nicht immer alles genau nach Plan ablaufen. Flexibel bleiben.
„Vielen Dank für das nette Frühstück“, sagte sie also und diesmal klappte es mit dem freundlichen Gesichtsausdruck schon viel besser.
„Eigentlich wollte ich ja gleich heute Morgen schon einkaufen gehen. So früh sind die Läden noch nicht so voll.“ Sie zuckte die Schultern. „Aber wo du den Tisch so schön gedeckt hast – na, dann geh ich eben etwas später. Ich hab ja Zeit.“

„Du willst einkaufen? Ich komm mit.“

„Du willst einkaufen? Ich komm mit.“
Konnte – sollte – sie sagen, dass sie lieber alleine ging? Weil sie längst ihren Rhythmus hatte und wusste, wo was lag, immer die gleiche Strecke ging, sich nicht lange aufhielt, mitnahm, was nötig war, um dann schnell wieder zu Hause zu sein?
Und nun wollte Hans vermutlich wieder ein Event draus machen. Er prüfte diese Wurst und jenen Käse. Betrachtete jede Tomate einzeln, stand ratlos vor dem Regal mit 10 verschiedenen Senfsorten, um sich für keins davon entscheiden zu können. Das konnte dauern. Bis sie dann wieder zurück waren, konnte sie grad wieder in die Küche gehen und das Essen vorbereiten.
Aber er freute sich doch so, dass er jetzt endlich Zeit für sie hatte. Seit er nicht mehr jeden Tag ins Geschäft ging, saß er ständig zu Hause und begleitete sie, wohin auch immer sie wollte. Ihr zur Liebe. Weil sie doch all die Jahre so wenig Zeit füreinander gehabt hatten. Die ersten Wochen hatte sie es auch genossen. Aber nun konnte langsam wieder Alltag einkehren.

Er ist immer da …

Der Alltag kehrte aber nicht ein.
Und wenn, hatte sie es vielleicht nicht bemerkt.
Oder sollte das von jetzt an ihr Alltag sein? Täglich 24 Stunden mit dem Mann zu verbringen, den sie liebte?
Sie sollte glücklich darüber sein.
War sie aber nicht.
Sie seufzte.

… und wäscht ab

Hans hatte inzwischen den Tisch abgeräumt.
„Warte“, sagte er, „ich wasch nur noch schnell ab. Dann können wir los.“
Abwaschen. Das tat er nun jeden Tag und nach jeder Mahlzeit. Wenn sie das Geschirr in die Spülmaschine räumte, holte er es wieder raus.
„Es geht doch so viel schneller“, hatte er ihr erklärt.
Gitte gab sich geschlagen, schenkte sich einen Kaffee ein und setzte sich wieder hin.

„Das ist zu schwer für dich“

Das Umräumen des Wohnzimmers am Nachmittag gestaltete sich ebenfalls schwierig.
„Warte, ich helf dir“, hatte Hans gesagt. „Du brauchst doch die schweren Möbel nicht alleine zu rücken.“
Gitte hatte seine Hilfe resigniert angenommen. Dreißig Jahre lang hatte sie die Wohnung gestrichen, wenn es nötig war und dafür die Möbel beiseite geräumt. Sie hatte eingekauft, Haus und Wäsche in Ordnung gehalten, den Haushalt geschmissen, eingekauft, gekocht und sich dann auf Hans gefreut, wenn er abends nach Hause kam. Sie waren gern zusammen und hatten wunderbare Zeiten miteinander verbracht.

Endlich wieder freier atmen?

Aber 24 Stunden aufeinander zu hocken war etwas ganz anderes. Er war immer da und erwartete, dass sie sich darüber freute. Sie freute sich aber nicht. Stattdessen hatte sie schon Magenkrämpfe, wenn sie an den nächsten Tag dachte. Sie schlief schlecht. Manchmal trank sie deshalb abends auch schon mal ein Glas Wein. Aber das konnte sie ja nicht jeden Abend machen.
Gitte ahnte, dass sich von alleine nichts ändern würde. Sie würde auch ihren Mann nicht ändern können. Er war wie er war und sie liebte ihn.
Aber sie musste einen Weg finden, wie sie sich mit den veränderten Lebensumständen arrangieren konnte. Wie sie wieder freier atmen, schlafen konnte.
Sie würde ihn finden.
Mit professioneller Unterstützung.

Ines Vohrer-Schmid, Heilpraktikerin Psychotherapie nimmt sich Zeit für Gitte und alle anderen, die sich einer neuen Lebenssituation zurechtfinden müssen.
Sie ist da, wann immer Sie Unterstützung brauchen

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