„Ich hab doch jetzt Zeit“

Hans hatte den Frühstückstisch bereits gedeckt, als Gitte aus dem Bad kam. Dann hatten sie gemeinsam gefrühstückt. Er hatte die Zeitung durchgeblättert und seiner Frau die Artikel vorgelesen, die er interessant fand.
„Ich kann nicht lesen, wenn du mir dauernd etwas vorliest“, hatte sie gestöhnt. Dann war sie aufgestanden und aus der Küche gegangen.
Er verstand es nicht. Es war doch schön, Zeit zu haben, Zeit füreinander, morgens in Ruhe zu Frühstücken und gemeinsam die Zeitung zu lesen.
Er war doch jetzt Rentner. Er musste keine Termine mehr einhalten.

Man muss einer Frau gewisse Freiheiten lassen

Hans seufzte.
„Na dann wasch ich jetzt ab“, entschied er und verließ ebenfalls den Frühstückstisch. Gitte war wieder da. Sie war nur kurz weg gewesen. Keine fünf Minuten. Wo sie war, hatte sie nicht gesagt. Er fragte auch nicht. Man muss einer Frau schließlich auch gewisse Freiheiten lassen.
„Ach Hans“, sagte Gitte und schaute ihm zu, wie er Teller und Tassen sorgfältig abspülte, abtrocknete und dann wegräumte. Ein Teil nach dem anderen. „Das brauchst du doch nicht. Das kann doch in die Geschirrspülmaschine.“
„Aber wenn ich es abwasche, ist es gleich erledigt und steht wieder sauber im Schrank“, verteidigte er sich.
Er war doch jetzt Rentner. Er konnte alles tun, wofür er früher keine Zeit gehabt hat.

Er hatte vergessen, wofür er früher gerne Zeit gehabt hätte

Aber irgendwie hatte er vergessen, was das war. Früher war da so viel, was er gern getan hätte.
Da war die Arbeit. Immer musste er etwas.
Nun musste er nichts mehr.
Und nun erinnerte er sich nicht mehr daran, wofür ihm damals die Zeit gefehlt hatte.
Niemand sagte ihm, was er zu tun und zu lassen hatte und ihm selbst fiel einfach nichts ein.
Im Sommer war es noch relativ einfach gewesen. Da konnte er in den Garten. Aber jetzt wuchs da nichts mehr.
Er könnte sich handwerklich versuchen. Aber so recht traute er sich nicht. Er wusste nicht, ob er geschickt genug war.
Vielleicht sollte er zeichnen. Oder Fotografieren.
Reisen. Reisen wäre schön.
Daran hätte Gitte sicherlich auch Freude.

Reisen vielleicht?

„Guck mal“, sagte Hans ein paar Tage später, als sie wieder zusammen in der Küche saßen. Gitte hatte den Tisch abgeräumt und er war sitzen geblieben. Er hatte sich Prospekte besorgt.
„Würdest du gern mal nach Frankreich fahren?“, fragte er.
„Oder würde dir der Norden besser gefallen? Wir könnten auch eine Kreuzfahrt machen.“
„Eine Kreuzfahrt?“, lachte Gitte. „So wie alle Rentner?“
Sie war einfach kein Kreuzfahrttyp. Das war ihr zu langweilig. Tagelang auf dem Meer herumzuschippern und nur gelegentlich für einen Landgang ausgekippt werden. „Nein, Hans. Ich glaube, das ist nichts für mich. Aber wenn du daran Freude hast, dann mach du doch eine Kreuzfahrt.“

Du hast doch jetzt Zeit

„Ich möchte aber gern etwas mit dir gemeinsam machen“, sagte Hans.
„Wir verbringen so viel Zeit zusammen“, warf Gitte ein. „Da kannst du dir auch ruhig mal etwas Zeit für dich ganz alleine nehmen. Die hattest du früher doch auch nicht. Immer waren da die Firma und die Familie. Nie konntest du einfach das tun, was dir gefiel. Mach es doch jetzt. Du hast doch jetzt Zeit.“
Hans zögerte einen Moment. Dann sah er seine Frau an.
„Ich hab vergessen, was es war“, gestand er ihr. „Ich weiß nicht mehr, was ich früher gern getan hätte. Was es war, wofür ich keine Zeit hatte. Reisen – das war das eine. Aber wenn ich daran dachte, dass ich gerne irgendwo hin fahren würde, dann wollte ich das mit dir gemeinsam machen. Alleine macht es keinen Spaß.“
„Gut, lass uns gemeinsam die Welt entdecken. Das würde mir auch Freude machen“, sagte Gitte. „Solange es keine Kreuzfahrt sein muss“, setzte sie grinsend hinzu.
Damit waren die nächsten Wochen erstmal gerettet.
Doch der Urlaub würde vorbei gehen. Danach würde er vermutlich wieder in ein Loch fallen, befürchtete Hans. Er hoffte darauf, dass ihm wieder einfiel, was es war, was er früher immer aufgeschoben hatte, wofür er keine Zeit hatte, weil er in der Firma ständig unter Termindruck stand.
Er würde es herausfinden.
Mit professioneller Unterstützung würde es ihm vielleicht leichter fallen.

Ines Vohrer-Schmid, Heilpraktikerin Psychotherapie nimmt sich Zeit für Hans und alle anderen, die sich in einer neuen Lebenssituation zurechtfinden müssen.
Sie ist da, wann immer Sie Unterstützung brauchen.

Diese Webseite benutzt Cookies, um seinen Lesern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Außerdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen